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R. SCHNEIDER-SLIWA, C. ERISMANN & C. KLÖPPER:
Museumsbesuche - Impulsgeber für die Wirtschaft in Basel.
= Basler Stadt- und Regionalforschung, Band 28, 2005.


Zusammenfassung

Basel hat bekannte Stärken im Bereich der Kultur. Allein mit ihren 34 Museen hat die Stadt eine vielfältige und qualita­tiv hochwertige Kunst- und Kulturszene, in der Schenkungen privater Personen, die der Stadt einzigartige Kunstschätze mit Wert in Milliardenhöhe beschert haben, eine besondere Rolle spielen. Sie festigen Basels Ruf als Kulturstadt und haben einigen Museen Weltrang eingebracht. Basel profitiert in vielfältiger Weise von seinen Museen: sie sind nicht nur Imagefaktor und tragen zum Nimbus Basels als Kulturstandort und attraktivem Standort für Unternehmen bei. Die Museen und ihre international beachteten Sonderausstellungen locken auch viele Besucher an, mit Multiplikatorwir­kung für die Gastronomie, die Hotellerie und den Detailhandel.

Zwar ist der wirtschaftliche Erfolg einzelner Veranstaltungen wie der Tut-Ausstellung nicht jedes Jahr zu erzeugen, sicher ist jedoch, dass man auch an den weniger guten Besuchertagen oder -wochen, welche Museen im Jahr erleben, einen wirtschaftlichen Effekt für die Stadt hat. Interessant sind solche Tage deshalb, weil sie im Gegensatz zum monetären Erfolg einer einzelnen Sonderausstellung angeben, was im schlechtesten aller Fälle noch als wirtschaftlicher Nutzen zu erwarten wäre, rechnete man die Besucherströme und ihr Ausgabeverhalten auf das Jahr hoch.

Ziel der Studie war es, die Besucherströme in für Basler Museen bekanntermassen „schlechten Zeiten“ zu untersuchen und der Frage nachzugehen, wie viele Besucher im Durchschnitt an solchen Tagen in die Museen gehen, welches Ausgabeverhalten sie im Museumsshop und im Museumscafé zei­gen, ferner, ob sie ihren Museumsbesuch mit dem Besuch weiterer kultureller Einrichtungen, einem Einkaufsbummel oder dem Besuch der örtlichen Gastronomie verbinden, oder ob sie etwa von auswärts kommen und zusätzlich Geld für ein Hotel oder eine Unterkunft in der Stadt ausgeben. Die Studie erfasst also Besucherströme und Ausgabeverhal­ten sowie die Kopplung von Museumsbesuchen mit anderen Tätigkeiten, bei denen der Gastronomie, der Hotellerie oder dem Detailhandel Geld zufliessen, dies unter den ungünstigsten Bedingungen, die man annehmen kann. Kon­krete Hochrechnungen sollen aufzeigen, wie hoch auch dann noch der monetäre Nutzen für Basel ist.

Die Befragungen wurden unterstützt von Basel Tourismus, den Museumsdiensten Basel, den Museumsdirektoren der Basler Museen sowie des Vitra Design Museums in Weil am Rhein und dem Museum Burghof in Lörrach, dem Basler Hotelier-Verein und dem Gewerbeverband Basel-Stadt. Folgende Museen waren Standorte der Befragung von insgesamt 2171 Museumsbesuchern: Antikenmuseum, Historisches Museum Barfüsserkirche, Karikaturenmuseum, Naturhistorisches Museum, Papiermühle, Puppenhausmuseum und Tinguely Museum, alle in Basel, sowie die Fondation Beyeler in Riehen, das Schaulager in Münchenstein (Dreispitz-Areal), das Museum Burghof in Lörrach und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein.

Ergebnisse: Die Untersuchung zeigte, dass von allen Basler Museen die Fondation Beyeler, das Schaulager (mit der damals laufenden Ausstellung von Jeff Wall) und das Tinguely-Museum als Publikumsmagneten wirken. Die kleineren Museen profitieren einerseits von der Nähe zu den grossen (z.B. Karikaturen- und Antikenmuseum zum Kunstmuseum), andererseits von der zentralen Lage in der Innenstadt (Puppenhausmuseum). Die Ergebnisse zeigen klar, dass die Museen für die Basler und die Bewohner der Agglomeration eine grosse Attraktivität haben und dass die Kultur generell in Basel einen hohen Stellenwert hat, der auch in den Medien im In- und Ausland entsprechend gewürdigt wird. Es zeigte sich auch, dass auch in der so genannt schlechten Museumszeit (warme Wochenenden im Juni, ausserhalb der Ferien- und Messezeiten) die Basler Museen eine grosse Zahl an Besuchern anziehen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt sind.

Rechnet man die in der Untersuchung empirisch erhobenen Werte hoch, so zeigt sich, dass die Museen als Wirtschaftsfaktor für die Region Basel im Durchschnitt und unter ungünstigen Bedingungen eine Wertschöpfung von mindestens 41 Mio. (nur Basler Museen) bis knapp 55 Mio. Franken (inkl. Burghof Lörrach und Vitra Design Weil) generierten. Der Vergleich mit dem Ausnahmejahr 2004 (Tutanchamun-Ausstellung, wirtschaftlicher Effekt aller Museen zwischen 63 und 77 Mio. Franken) zeigt die wirtschaftliche Bedeutung, die bestimmte, speziell imageträchtige Sonderausstellungen und die Bemühungen der Museen in diese Richtung haben.