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SCHNEIDER-SLIWA R. und A. KAMPSCHULTE:
Der Einkaufsstandort Bad Säckingen: Marktstudie zur Migros Lohgerbe, zu Konsumentenverhalten und Entwicklungen im Einzelhandel
(= Basler Stadt- und Regionalforschung Band 23) Basel, 2002, 74 S.
Mit Judith Bojt, Urs Hermann, Daniel Hernandez, Michael Kropac, Adrian Marbacher, Barbara Pfluger, Pascal Straub und Fabian Vögtli.

 

Inhaltsverzeichnis:

Verzeichnis der Abbildungen
Verzeichnis der Tabellen
Zusammenfassung
1  Einleitung
Standortentwicklung Bad Säckingen
Auswirkungen der Lohgerbe-Entwicklung
Ziel der Untersuchung
2  Funktionswandel der Innenstadt
Einführung
Ergebnisse
Zusammenfassung
Passantenzählung Holzbrücke
3  Veränderung im Einzelhandel
Einführung
Ergebnisse
Zusammenfassung
4  Kundenfrequenzzählung u. Preisvergleich
Kundenfrequenzzählung: Einführung
Ergebnisse
Zusammenfassung
Preisvergleich: Einführung, Ergebnisse, Zusammenfassung
5  Konsumentenverhalten - Migroskunden
Einführung
Ergebnisse
Zusammenfassung
6  Konsumentenverhalten - Nicht-Migroskunden
Einführung
Ergebnisse
Zusammenfassung
7  Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit
Funktionswandel der Innenstadt
Veränderungen im Einzelhandel
Kundenfrequenzzählung und Preisvergleich
Konsumentenverhalten - Migroskunden
Konsumentenverhalten - Nicht-Migroskunden



Zusammenfassung
Im Rahmen der seit mehr als dreissig Jahren betriebenen umfassenden Stadtentwicklungsplanung in Bad Säckingen wurde jüngst das Lohgerbeareal als neues Geschäfts- und Dienstleistungszentrum konzipiert. Das in der Innenstadt angesiedelte Geschäftszentrum mit dem Magneten Migros, weiteren Einzelhandels-, Büro-, Praxis- und Wohnflächen und dem von der Stadt betriebenen Parkhaus Lohgerbe soll die vorhandene urbane Struktur ergänzen. Durch das Multifunktionszentrum soll Bad Säckingen einen Wertzuwachs erfahren, der sich u.a. in Form einer Innenstadtbelebung, Frequenzsteigerung für den Einzelhandel, grösseren wirtschaftlichen Stabilität für die Innenstadt, steigenden Zentralität des Einkaufsstandortes Bad Säckingen und einer Erhöhung des Wohnwertes äussern soll.

Die vor diesem Hintergrund im Juli 2002 vom Geographischen Institut der Universität Basel durchgeführten Kartierungen und Befragungen in Bad Säckingen befassen sich mit dem Funktionswandel der Innenstadt, der Kundenfrequenz und Preisstruktur von Migros und anderen innerstädtischen Lebensmittelmärkten, der
Kundenstruktur und dem Kaufverhalten der Migroskunden resp. Nicht-Migroskunden und der Attraktivität Bad Säckingens als Einkaufsort.

Ein Vergleich der Kartierungen der Erdgeschossnutzung in der Bad Säckinger Innenstadt von 2000 bis 2002 zeigt eine Abnahme des Einzelhandels und einen Anstieg der Dienstleistungen und des Leerstandes. Das Verhältnis zwischen Einzelhandels- und Dienstleistungsnutzungen ist 2002 ausgeglichen (je 35%). Innerhalb des Einzelhandels ist eine Verschiebung vom episodischen zum periodischen Bedarf festzustellen. Da vor allem der Einzelhandel zur Belebung und Urbanität beiträgt, deutet die derzeitige Entwicklung auf einen möglichen Verlust der Angebotsvielfalt und Innenstadtattraktivität. Die Befragung von 115 Einzelhändlern und Dienstleistern bestätigt, dass der Einzelhandel in Bad Säckingen mit Problemen zu kämpfen hat. 90% der Befragten sind der Meinung, dass die Attraktivität Bad Säckingens gesteigert werden müsste, angeführt werden vor allem eine konsequentere Einhaltung der Verkehrsberuhigung und ein anderer Branchenmix. Die Eröffnung des Geschäftszentrums Lohgerbe hat zu keinen Veränderungen der Kunden- oder Umsatzzahlen geführt. Die Migros ist knapp ein Jahr nach der Eröffnung weder die befürchtete Konkurrenz noch der erwartete Frequenzbringer.

Von den am Mittwoch und Samstag gezählten 5432 Kunden kaufen die meisten bei Schmidt Markt, Migros und Lidl ein, Rewe und Norma werden deutlich weniger frequentiert. Unterschiede bestehen darüber hinaus hinsichtlich der Einkaufsmengen. Grosseinkäufe werden vor allem im Lidl getätigt, während bei Schmidt Markt, Migros, Rewe und Norma eher kleinere Mengen eingekauft werden. Bei der Preisstruktur zeigt sich, dass zwei Drittel der untersuchten handelsüblichen deutschen Produkte im Migros teurer sind als in den anderen innerstädtischen Lebensmittelgeschäften. Auch ein Preisvergleich zwischen identischen Schweizer Produkten in der Migros Lohgerbe und der Migros Stein belegt das Hochpreisimage des ersteren. Die Preispolitik der Migros müsste folglich gründlich überdacht werden.

Auswahl, Qualität und Innenstadtstandort sind für die 836 Befragten Migroskunden die wesentlichen Gründe für einen Einkauf in der Migros. Die Migroskunden stammen vor allem aus dem Nahbereich (Bad Säckingen/ Landkreis Waldshut) und kaufen durchschnittlich ein bis zwei Mal pro Monat oder seltener in der Migros ein. Über die Hälfte der Kunden sind Angestellte und Rentner. Bei den 452 Nichtkunden der Migros ist der Hauptgrund für den Nichteinkauf in der Migros die dort höheren Preise. Kritisiert wird die Migros primär von den Nichtberufstätigen und Hausfrauen/-männern sowie den jüngeren Altersklassen. Entsprechend werden von diesen Konsumentengruppen die preiswerteren Anbieter Schmidt Markt und Lidl bevorzugt.

Die Mehrzahl aller Befragten findet Bad Säckingen attraktiv, dennoch sehen 57% der Migroskunden und 40% der Nicht-Migroskunden Möglichkeiten der Attraktivitätssteigerung. Wie schon bei den Einzelhändlern werden vor allem verkehrsberuhigende Massnahmen und die Ansiedlung weiterer/anderer Geschäfte bestimmter Branchen (z.B. Bekleidung) sowie mehr kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen gewünscht.