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SCHNEIDER-SLIWA R., Erismann C., Griebel C., Saalfrank C., Hofmann A., Wieland B. et al.:
Attraktivität und Image der Universität Basel aus Sicht von Studierenden.
= Basler Stadt- und Regionalforschung, Band 33, Basel, 2011 : 115 S.

 

Kernaussagen zur Studie "Attraktivität und Image der Universität Basel aus Sicht von Studierenden"

Hintergrund. In den Wirtschaftswissenschaften besteht ein Grundkonsens darüber, dass sich hoch entwickelte Industrienationen weiter in Richtung von „Wissensgesellschaften“ entwickeln und die Industriearbeit von der so genannten Wissensarbeit abgelöst wird. In der Folge steigt die Relevanz von Bildung für breite Schichten der Bevölkerung an, parallel dazu nimmt der Wert von hochqualifizierten Arbeitskräften als Standortfaktor zu. Dieses Thema hat in den vergangenen Jahren an Brisanz hinzugewonnen: Erstens, weil im Zuge der Globalisierung die Standorte einem härteren Konkurrenzkampf um zunehmend mobiler werdende Unternehmen ausgesetzt sind. Zweitens, weil bei den Standortentscheiden von Unternehmen das verfügbare Angebot an qualifizierten Arbeitskräften eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Rolle spielt. Eine Strategie, mit der die Regionen auf diese Entwicklungen reagieren können, ist die Ansiedlung oder der Ausbau von Hochschulen. Die Hochschulen selbst stehen vor der Herausforderung, einerseits eine grosse Anzahl junger Menschen auf deren künftige Aufgaben vorzubereiten, andererseits im nationalen und internationalen Wettbewerb mit anderen Hochschulen das eigene Profil zu schärfen und in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen.

Ziel der Studien. Die vorliegende Arbeit fasst mehrere Studien des Geographischen Instituts der Universität Basel, Abteilung Stadt- und Regionalforschung, zusammen, welche sich mit der Bedeutung der Universität Basel als Bildungs- und Forschungseinrichtung für die Nordwestschweiz beschäftigen. In einer Grossbefragung an der Universität Basel im Frühjahrsemester 2008 wurde die Attraktivität der Universität aus Sicht der Studierenden untersucht. Dabei wurden die Zufriedenheit der Studierenden mit dem Studium in Basel generell und ihrem Studienfach im Besonderen, ihre Erwartungshaltungen und ihr Anspruchsniveau erhoben. Des Weiteren wurden die Gründe für die Wahl des Studiums an dieser Hochschule untersucht, um den zur Wahl eines Studienortes führenden Entscheidungsprozess in einigen Aspekten nachzuvollziehen. So lässt sich der Einzugsbereich der Universität Basel abgrenzen sowie die Motive eines möglichen Standortwechsels zu anderen Universitäten herausfinden. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Stärken und Entwicklungspotentiale des universitären Angebots bestimmt werden, sodass eine weitere Verbesserung der Lehre und der Rahmenbedingungen möglich ist. Zwei komplementäre Studien beschäftigten sich mit der Verbleibsquote der Absolventen der Universität Basel fünf Jahre nach dem Abschluss sowie mit der Wanderungsbilanz von Studierenden in Basel.

 

Studie 1: Attraktivität und Image der Universität Basel aus Sicht von Studierenden


Die Stichprobe. Insgesamt nahmen 2‘480 Studierende der Universität Basel an der Umfrage zur Attraktivität der Universität teil. Der Link zum Fragebogen wurde allen Studierenden per E-Mail zugeschickt. Der Fragebogen konnte online ausgefüllt werden und die Daten wurden anschliessend mit SPSS ausgewertet. Unter den befragten Studierenden waren die Frauen mit 64% leicht übervertreten, sie machten allerdings auch 56% der Studierenden insgesamt aus. Die meisten Teilnehmer waren erwartungsgemäss zwischen 21 und 24 Jahre alt. 85% der Befragten kamen aus der Schweiz, etwas mehr als die Hälfte wohnte in Basel-Stadt. Unter den Fakultäten dominierte die Philosophisch-Historische (Phil. I), welcher etwa ein Drittel der Befragten angehörte. Der höchste Rücklauf kam von den Studierenden der Interdisziplinären Einrichtungen (42%), auch die Psychologische Fakultät war mit 27.0% ihrer Studierenden relativ gut vertreten. Am wenigsten Rücklauf kam von der Juristischen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (14.0% resp. 17.0% Rücklauf). Ein Viertel aller befragten Bachelorstudierenden studierte Psychologie, Medizin oder Biologie. Bei den Masterstudierenden stellten Medizin, Psychologie und die Rechtswissenschaftenen beinahe ein Drittel. Rund 30% der Befragten gaben an, einen Master of Science Abschluss anzustreben. Etwa 25% der Umfrageteilnehmer waren Studienanfänger (1. und 2. Semester), etwa 43% Bachelorstudierende im 3. bis 6. Semester und rund 32% Masterstudierende (resp. Lizentiats- und Diplomstudierende). Die Verteilung in der Stichprobe kann im Hinblick auf die tatsächliche Verteilung der damals rund 11‘000 Studierenden der Universität Basel als repräsentativ angesehen werden.

Informationsbeschaffung über die Universität Basel vor Studienbeginn. Wie vermutet, war das Internet der am meisten genutzte Informationsträger. Auch der
Maturandentag und die mündliche Empfehlung waren für die Befragten wichtige Informationsmittel. Rund die Hälfte der Befragten hatte den Maturandentag besucht. Zwischen den Altersgruppen waren gewisse Unterschiede zu erkennen. So nahm der Besuch des Maturandentages mit zunehmendem Alter ab, während das Internet mit
zunehmendem Alter vemehrt als Hauptinformationsquelle genutzt wurde. Zudem gab es auch zwischen den Wohnorten gewisse Unterschiede. Der Maturandentag wurde von ausländischen Studierenden aus der Grenzregion weniger besucht, dafür war das Internet hier die wichtigste Informationsquelle.

Gründe für die Wahl der Universität Basel als Studienort. Die am häufigsten genannten Gründe für die Wahl der Universität Basel waren das Studienangebot (61.7%) und die Nähe zum Wohnort (53.0%). Auch der Ruf und die Ausrichtung der Studienfächer waren für die Befragten von Bedeutung. Zwischen den Geschlechtern gab es nur geringe Unterschiede – für Frauen war das Studienangebot wichtiger als für Männer, die dafür häufiger den Wunsch nannten, mit Freunden und Kollegen an die gleiche Uni zu gehen. Mit zunehmendem Alter der Studierenden wurden die Nähe zum Wohnort und die Erwerbsmöglichkeiten neben dem Studium wichtiger.

Allgemeine Zufriedenheit der Studierenden. Die Studierenden der Universität Basel zeigten sich im Allgemeinen zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem gewählten Studienfach/-gang. Tendenziell war bei den Studienanfängern die Zufriedenheit etwas grösser als bei Studierenden in höheren Semestern. Die höchsten Werte bei „sehr zufrieden“ kamen von den Theologie- (62.1%) und Medizin-Studierenden (46.4%). In der Auswertung nach angestrebtem Abschluss zeigte sich, dass neben den Medizin-Studierenden die angehenden Lehrpersonen für das höhere Lehramt HLA (Master of Arts) am zufriedensten mit ihrem Fach waren, wohingegen angehende Lehrpersonen für das Sekundarlehramt SLA deutlich am unzufriedensten waren. Nach Fächern bzw. Studiengängen aufgeschlüsselt waren unter den Bachelorstudierenden diejenigen in den Altertumswissenschaften (55.2% „sehr zufrieden“), Kunstgeschichte (50.0%) und Philosophie (47.8%) am zufriedensten. Beim Master-Abschluss konnten nur zwölf Fächer resp. Studiengänge in die Auswertung mit einbezogen werden, da die einzelnen Stichproben sehr klein waren. Von den berücksichtigten Fächern waren die Studierenden der Infektionsbiologie/ Epidemiologie mit Abstand am zufriedensten (80% „sehr zufrieden“), gefolgt von der Pharmazie (57.4%) und der Chemie (53.8%).

Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen im Studienfach/-gang. Die Aktualität des vermittelten Stoffes (84.7% „sehr gut“ oder „gut“), die Inhalte des Studiums (83.3%) und die Arbeitsatmosphäre im Institut/ Seminar (72.9%) wurden als besonders positiv bewertet. Erfreulicherweise zeigte sich auch, dass der Grossteil der
Studierenden sehr pflichtbewusst ist und sich aktiv mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzt. Handlungsbedarf dürfte aber im Bereich der Kommunikation bestehen. Speziell die Beratung und Orientierung im Studienfach/- gang wurde bemängelt (21.0% „schlecht“ oder „sehr schlecht“). Interessanterweise sind hier die ansonsten recht zufriedenen Studierenden der Medizinischen Fakultät am unzufriedensten (40.1% „schlecht oder „sehr schlecht“). Sehr gut wurden die Theologische Fakultät und die Interdisziplinären Einrichtungen bewertet. Beim Punkt „Feedback der Lehrenden zu den Leistungen der Studierenden“ kamen die positivsten Einschätzungen von den Studierenden der Theologischen Fakultät und die negativsten von den Studierenden der Wirtschaftswissenschaften. Die Kommunikation zwischen Dozierenden und Studierenden allgemein wurde etwa je von der Hälfte der Befragten positiv bzw. negativ eingeschätzt. Ein Zusammenhang in der Einschätzung dieses Punktes zeigte sich mit dem Alter der Studierenden: Mit zunehmendem Alter wurde die Kommunikation deutlich besser bewertet. Gut die Hälfte der Studierenden (50.9%) beklagt sich über überfüllte Pflichtveranstaltungen. Dieses Problem besteht offenbar vor allem in der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften (68.1% antworten „trifft eher/voll zu“), der Philosophisch-Historischen Fakultät (67.2%) und der Psychologie (62.1%). Hier scheint sich zu zeigen, dass Infrastruktur und personelle Ressourcen mit dem andauernden Wachsen der Studierendenzahlen nicht Schritt halten konnten. Sehr zufrieden sind die meisten Studierenden mit dem Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen für die wissenschaftliche Arbeit.

Zufriedenheit mit den von den Rahmenbedingungen abhängigen eigenen Arbeits- und Lernleistungen. Ihre Eigenleistungen schätzen die Studierenden recht
unterschiedlich ein: So gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie regelmässig in den Lehrveranstaltungen anwesend seien, nur 14.2%, dass sie sich immer auf die Veranstaltung vorbereiten, und 21.7%, dass sie sich an Lehrveranstaltungen aktiv beteiligen. Dies scheint alles in allem eine realistische Einschätzung zu sein. Die Studierenden der Theologie und der Interdisziplinären Einrichtungen schneiden bei der Anwesenheit am besten ab: Dies dürfte mit der eher geringen Grösse der Institute und der damit verbundenen relativ hohen „sozialen Kontrolle“ zu tun haben. Zeitliche Überschneidungen von Pflichtveranstaltungen sind für rund ein Drittel der Befragten ein Problem. Nach Fächern resp. Studiengängen aufgeschlüsselt zeigte sich, dass hier vor allem die Medienwissenschaft (im Bachelorstudium), die Geographie (Bachelor- und Masterstudium) sowie die Deutsche Philologie und die Sportwissenschaften im Masterstudiengang betroffen sind. Dieses Problem dürfte sich seit der vermehrten Präsenzpflicht in vielen Veranstaltungen in der letzten Zeit noch verschärft haben.

Selbsteinschätzung der Studierenden. Beinahe neun von zehn Studierenden sind mit ihren schriftlichen und mündlichen Leistungen eher oder gänzlich zufrieden. Auch die Bewertung durch die Dozierenden beurteilen 87.4% positiv. Es zeigte sich, dass Masterstudierende mit ihren Eigenleistungen zufriedener waren als Bachelorstudierende.

Zufriedenheit mit der Infrastruktur und dem Angebot der Universität Basel. Mit den Gebäuden, den Räumlichkeiten und der Ausstattung waren über 80% der Studierenden zufrieden. Beim Angebot an studentischen Arbeitsplätzen war ein knappes Drittel der Befragten eher oder gänzlich unzufrieden. Mit Abstand am unzufriedensten waren hier die Studierenden der Interdisziplinären Einrichtungen (47.8% „eher oder ganz unzufrieden“), der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (35.4%) und der Rechtswissenschaften (31.4%). Mit dem Angebot der Mensa und UB-Cafeteria waren 65.1% zumindest eher zufrieden. Angebote wie das Studentenwohnheim, die zentrale Studienberatung oder die Arbeit der Skuba konnten von vielen Befragten nicht beurteilt werden, da sie diese Angebote vermutlich nicht nutzen. Bei der Bewertung der Fach-Studienberatungen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Fakultäten: Bei den Theologie-Studierenden gab es keine einzige negative Bewertung, bei der Psychologischen Fakultät als Massenfach waren 39.7% eher oder gänzlich unzufrieden. In einzelnen Fakultäten war auch hier der Anteil der Befragten sehr hoch, die die Fach-Studienberatungen nicht beurteilen konnten, so z.B. bei den Wirtschaftswissenschaften (64.4%) und der Medizin (61.1%).

Image der Universität Basel in der Wahrnehmung der Studierenden. 86.3% der befragten Studierenden waren der Meinung, dass die Universität Basel in der Region einen guten Ruf hat, was ein erfreuliches Resultat ist. Ebenso bezeichneten 79.3% der Befragten die Universität als studierendenfreundlich. Hier ist der Anteil bei den Frauen leicht höher als bei den Männern. Erstaunlich waren die hohen Werte in der Kategorie „weiss nicht“ bei dem Imagefaktor „attraktives Austauschprogramm“ (36.4%). Hier könnte die Information der Studierenden noch optimiert werden. Auch der Faktor „gute Berufsvorbereitung“ konnte schlecht eingeschätzt werden (29.5% „weiss nicht“), vor allem von Studienanfängern (40.9%). Mehrheitlich waren die Studierenden der Meinung, dass die Universität Basel innovativ ist. Am wenigsten dieser Meinung waren die angehenden Wirtschaftswissenschaftler (33.1% „trifft gar nicht/eher nicht zu“). Die grosse Mehrheit der Studierenden (82.7%) fühlte sich der Uni Basel zugehörig, was vermutlich mit der Herkunft der Befragten – so nannten 53% die Nähe zum Wohnort als einen Grund für die Wahl der Universität Basel – in Verbindung gebracht werden kann. Der Aspekt der Zugehörigkeit wurde von Masterstudierenden etwas schlechter beurteilt, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass Studierende von anderen Universitäten erst kürzlich für ihr Masterstudium nach Basel gewechselt haben. Der international gute Ruf der Universität Basel wurde von den angehenden Naturwissenschaftlern deutlich besser eingeschätzt als von den Studierenden anderer Fakultäten. So waren im Masterstudium alle befragten Molekularbiologen sowie zwei Drittel der Nanowissenschaftler und der Pharmazeuten der Meinung, dass die Universität Basel einen international guten Ruf hat; beim Bachelor waren es in erster Linie die Studierenden der Biologie, Nanowissenschaften und Chemie.

Mediennutzung zur Informationsbeschaffung über die Universität Basel. Das Internet ist hier mit Abstand am wichtigsten: Praktisch alle Studierenden (94.9%) nutzten das Web als Informationsquelle. Die Uni News waren für etwas mehr als die Hälfte der befragten Studierenden nützlich, bei den Männern spielten auch die lokalen Zeitungen noch eine Rolle (17.6%). Die Studierendenzeitung Gezetera wurde nur von rund 10% der Befragten gelesen.

Mobilität der Studierenden. Die Mobilität der Studierenden war nicht so gross, wie es die Möglichkeiten des Bologna-Systems theoretisch erlauben sollten. Nur 15.6% der Masterstudierenden planten ein Semester an einer anderen Universität und nur 9.0% besuchten gleichzeitig noch Kurse an einer anderen Universität. An Austauschprogrammen nahmen 15.8% der befragtenStudierenden teil, die meisten davon nutzten das ERASMUS-Programm. Knapp die Hälfte organisierte sich den Studienaufenthalt selbst. Hier sind auch die angehenden Sprachwissenschaftler inbegriffen, die vom Studienfach her zu einem Auslandsemester verpflichtet sind. Daraus kann man schliessen, dass entweder das Angebot nicht genutzt wird oder nicht zufriedenstellend funktioniert (z.B. Probleme mit ECTS). In diesem Zusammenhang ist auf die ausgesprochen grossen Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Französischstudien in Frankreich an der Universität Basel hinzuweisen, welche mit der Inkompatibilität der Studiensysteme in Frankreich und der Schweiz begründet werden.
Stärker genutzt wurde die Möglichkeit, den Master an einer anderen Universität zu machen. Zumindest bekundeten 31.0% der Bachelorstudierenden ihren Willen, den Master an einer anderen Universität machen zu wollen. Über ein Viertel dieser Studierenden wusste noch nicht konkret, wohin sie gehen wollten. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine gewisse Unzufriedenheit mit dem hiesigen Studienangebot besteht. Die Detailanalyse zeigte, dass von den hier in Basel sehr zufriedenen Studierenden nur 23.1% den Master an einer anderen Universität machen wollten, von den eher oder ganz unzufriedenen aber zwischen 50% und 60%. Als häufigste Gründe für einen Wechsel wurden das Verbessern der Berufschancen, das Kennenlernen anderer Alltagswelten und ein interessanteres Studienprogramm genannt. Diejenigen Studierenden, die für ihren Master in Basel bleiben wollten, nannten als wichtigste Gründe die Attraktivität des von ihnen angestrebten Studiengangs, ferner finanzielle Aspekte.

Erneute Entscheidung für ein Studium an der Universität Basel. Von den 2‘480 befragten Studierenden würden sich 78.4% wieder für ein Studium in Basel entscheiden und 16.1% waren unschlüssig. Somit scheint die Zufriedenheit mit der Standortwahl recht hoch, oder die Alternativen zu dem Besuch der regionalen Universität schienen weniger attraktiv oder praktisch, angesichts der Tatsache, dass die befragten Studierenden mehrheitlich aus der Region kamen. Bei den Masterstudierenden war der Anteil derer, die erneut in Basel studieren würden, mit 69.2% etwas tiefer. Von diesen würden 85.1% auch wieder das gleiche Fach wählen. Aufgeschlüsselt nach Studienfächern zeigte sich, dass über 90% der Studierenden der Theologie, der Deutschen Philologie und der Osteuropa-Studien wieder in Basel studieren würden. Bei denjenigen Studierenden, die an einer anderen Universität studieren würden, würde nur gerade die Hälfte der Befragten dasselbe Fach wieder studieren und 10% würden gar nicht mehr studieren. Die meisten Unzufriedenen mit ihrem Studienfach waren bei der Informatik, in Englisch, bei der Ethnologie, der Kunstgeschichte und den Wirtschaftswissenschaften zu finden. Über 20% derjenigen Befragten, die eine andere Universität wählen würden, konnten nicht angeben, welches Fach sie dort studieren wollten, was eher für die Unentschlossenheit dieser Studierenden spricht als gegen die Universität Basel.

 

Studie 2: Brain Drain oder Brain Gain? Wohnorte von Absolventen der Universität Basel, fünf Jahre nach Abschluss


Wohnorte von Absolventen der Universität Basel, fünf Jahre nach Abschluss. In einer weiteren Untersuchung wurden der Anteil und die Zusammensetzung von Hochschulabsolventen analysiert, die fünf Jahre nach dem Abschluss noch oder wieder in der Arbeitsmarktregion Basel wohnhaft waren. Als Datengrundlage diente ein Fragebogen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2005 mit 277 Teilnehmern der Universität Basel. Die Rücklaufquote betrug somit 34.8% aller Absolventen des Jahrganges 2000. Die Arbeitsmarktregion Basel wies bei den Universitätsabsolventen eine Verbleibsquote von 61.8% auf. Die durchschnittliche Verbleibsquote aller zwölf Schweizer Universitäten in ihren jeweiligen Arbeitsmarktregionen lag bei 51.1%. Die Wanderungsgewinne und -verluste für die Arbeitsmarktregion Basel (Nordwestschweiz) sahen folgendermassen aus: Die Abwanderung (Brain Drain) betrug 38.2% der Absolventen (102 Personen). Davon gingen 18.6% (19 Absolventen) ins Ausland und 81.4% (83 Absolventen) in die übrige Schweiz. Die Zuwanderung aus anderen Arbeitsmarktregionen oder aus dem Ausland („Brain Gain“) lag bei 68 Absolventen.
Von allen Befragten der zwölf Schweizer Universitäten (3‘285 Absolventen) wohnten im Alter von 16 Jahren 8.1% (253) in der Arbeitsmarktregion Basel; fünf Jahre nach dem Abschluss (Befragungszeitpunkt) waren es 7.4% (233). Dies entspricht einem Verlust von 0.7% (20).

Verbleibsquoten nach Fachbereichen. Die Ver-bleibsquoten der Absolventen der Universität Basel betrugen für geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer, Theologie, Psychologie 77.2% (44 Absolventen),für die Rechtswissenschaften 69.2% (36), für medizinwissenschaftliche Fächer 60.3% (35), für naturwissenschaftliche Fächer 52.5% (31) und für die Wirtschaftswissenschaften 46.3% (19). Sozial- und Geisteswissenschaftler, Theologen und Psychologen sowie Juristen bleiben eher in der Arbeitsmarktregion Basel wohnhaft. Mediziner, Naturwissenschaftler und vor allem Wirtschaftswissenschaftler lassen sich dagegen auch in anderen Arbeitsmarktregionen nieder und sind vor allem im Kanton Zürich als Arbeitskräfte gefragt.

 

Studie 3: Hochschulstandorte und Standort-potentiale. Die Zuwanderung von Studierenden nach Basel und mögliche Auswirkungen auf die Stadtentwicklung

In den Jahren 2003 bis 2006 zogen insgesamt 1’868 Studierende einer der Basler Hochschulen zwecks des Studiums in die Stadt Basel. Was die Herkunft der Zugezogenen anbelangt, so ist Basel-Landschaft seit langem der Kanton, aus welchem die meisten Studierenden in die Stadt ziehen. Weiter ist ein klarer Rückgang an Studierenden zu erkennen, die aus den Kantonen Bern, Wallis und Tessin nach Basel-Stadt ziehen. Dafür fand ein enorm starker Anstieg bei Studierenden aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und Frankreich, statt.

Ein Indiz für die zunehmende Bedeutung der Fach-hochschule liefert die enorme Zunahme der zugezogenen Studierenden dieses Hochschultypus: Im Jahr 2003 zogen erst 80 Studierende der FHNW nach Basel-Stadt, 2006 waren es bereits 310 Studierende, was beinahe eine Vervierfachung ist. Auch unter den Studierenden der Fachhochschule ist der Anteil derjenigen sehr hoch, die aus dem Ausland nach Basel gezogen sind. Somit sind Studierende einerseits in quantitativer Hinsicht ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Basel. Andererseits wird durch die Zuwanderung von Studierenden auch das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben der Stadt bereichert. Das bedeutet aber auch, dass aus Sicht der Stadtentwicklung von Basel verstärkt auf die Bedürfnisse von Studierenden eingegangen werden sollte, die ein wichtiges Bevölkerungssegment der Stadt darstellen.